Eine Postkarte geht um ...



botta

 

 

... oder einige Gedanken und Überlegungen

 

Wollen wir das – eine Grossüberbauung im Bäderquartier?

 

Die Verenahof AG hat zusammen mit der Stadt 2009 den Studienauftrag für ein neues Thermalbad durchgeführt. Darin wurde die Besucherzahl des Bades pro Jahr mit 500'000 Eintritten vorgegeben. Damit waren die Weichen für die Grösse des Bades gestellt. Aber warum gerade 500'000 Besucher, was der Anzahl Eintritte eines Massenbades wie des Alpamares entspricht? Auf diese Frage erhielten wir die Antwort, dass eine Marktanalyse die Grösse des Bades bestimmt hätte. - Wären aber die begrenzte Ressource Thermalwasser oder städtebauliche und verkehrstechnische Kriterien nicht ebenso sinnvolle Anhaltspunkte, um die Grösse des Bades festzulegen?


Das Projekt aus dem Studienauftrag hat das Volumen von 109'000 Kubikmetern, dies entspricht in etwa 100 Einfamilienhäusern.

 

Der geplante Lang-Bau (153.6 m) schneidet das Bäderquartier in zwei Teile anstatt zu verbinden.

 

Die Architektur wurde nicht aus der spannenden Topographie im Limmatknie entwickelt, sondern sie orientiert sich am Stützenraster einer Tiefgarage, die 50% des Volumens ausmacht.

 

Die Tiefgarage dominiert die Flusspromenade: Die zweigeschossige Tiefgaragenwand säumt den Uferweg auf rund 200 Metern.

 

Der Mättelipark wird verkleinert, 50% davon werden knapp humusierte Tiefgaragenüberdeckung ohne grosse Bäume sein. Die Grünfläche im Limmatknie weicht einem Wohnblock.

 

Das Projekt baut das Limmatknie im Bäderquartier zu und füllt es auf, anstatt mit der vorhandenen Fläche und den bestehenden Bauten spannende Räume zu bilden. Grundsätzlich spricht nichts gegen eine erhöhte Dichte in diesem Gebiet; soweit gehen wir mit der Stadt einig. Die Stadt legitimiert die Verdichtung unter anderem geschichtlich, d.h. bereits früher sei dieses Gebiet bebaut gewesen. Anzumerken ist jedoch, dass zu dieser Zeit die Freiflächen in der direkten Umgebung ausreichend vorhanden waren. Dies ist heute nicht mehr der Fall, deshalb müssen die Freiflächen innerhalb der städtisch dichten Bebauung angeboten werden, z.B. das Parkgelände bei der Trinkhalle.
- Der Charakter des Bäderquartiers muss unseres Erachtens bei einer Verdichtung erhalten bleiben, d.h. Neubauten und substantielle Umbauten müssen sich gut in das historische Umfeld und den landschaftlichen Kontext einfügen, sowie sich an der städtebaulichen Kleinteiligkeit des Kernbereichs Bäderzone orientieren. Durchblicke und öffentliche Verbindungen zum Flussraum sind zu gewährleisten

 

 

Unbekannte Investoren und unklares Risiko für die Stadt?

 

Von der Verenahof AG ist nur Benno Zehnder als Verwaltungsratspräsident bekannt. Wer aber sind die potentiellen Investoren hinter dem Thermalbadprojekt? - Eine ungefähre Abschätzung ergibt, dass das projektierte Thermalbad zwischen 60 bis 100 Mio. CHF kosten wird. Wer ist bereit dieses große finanzielle Risiko einzugehen?


Falls das Bad in dieser Grössenordnung nicht rentabel betrieben werden kann, was passiert mit der Grossüberbauung?


Die Stadt behauptet, sie könne nur beschränkt Einfluss auf das Projekt und deren Risiken nehmen, da es von Privaten gebaut und getragen werde. Kann sich die Stadt wirklich aus der Verantwortung stehlen? - Im Limmatknie gehören 2'263 Quadratmeter Boden der Stadt Baden. Eine Mitarbeiterin der Verwaltung arbeitet zu beinahe 100% für das Projekt Bäderquartier. Die Stadt tritt als Vertragspartnerin gegenüber den Aktiengesellschaften rund um die Verenahof AG auf, beispielsweise als Landverkäuferin, im kleinen Rahmen als Investor, eventuell als Parkhausbetreiberin, als Umgebungsgestalterin und als öffentliche Raum- und Verkehrsplanerin. Fazit: Das Projekt ist nur teilweise ein privates Projekt, viele öffentliche Interessen sind betroffen. Zudem sind Städtebau, Stadtentwicklung und Verkehrsplanung keine Privatsachen.

 

Der Ruf von Baden oder die Marke Bäderstadt wird stark von der neuen Therme und dem neu organisierten Bäderquartier abhängen. Dies erfordert ein starkes Engagement der Stadt.

 

 

Übermässige Verkehrsbelastung für Römerquartier, Parkstrasse und Stadt?

 

Es liegt auf der Hand: Je grösser das Bad, desto mehr Besucher, Patienten, Angestellte gehen ins Bäderquartier, d.h. der Verkehr nimmt für das Bäderquartier und die angrenzenden Quartiere zu. Wäre das Bad kleiner, wäre auch die Verkehrsbelastung geringer.

 

Die Lage des Bäderquartiers stellt für allfälligen Mehrverkehr eine Knacknuss dar: Die Zufahrt führt durch Wohnquartiere (Römerstrasse), entlang von Erholungsorten (Parkstrasse - Kurpark!) und über bereits stark ausgelastete Strassen (Schulhausplatz, Bruggerstrasse), die mit der geplanten Nutzungsverdichtungen in Baden Nord (Trafo 2, ABB-Hochhaus) weiter belasten werden.

 

Abgesehen von Seilbahnvisionen liegt bis anhin kein Erschliessungs- und Verkehrskonzept vor. Wir sind aber der Meinung, dass verkehrstechnische Überlegungen ein Schlüsselkriterium sind, um die Grösse eines zukünftigen Bades festzulegen.

 

 

Quellenleistung und Qualität des Thermalwassers

 

Das Bäderquartier steht und fällt mit dem Thermalwasser. Es zeichnet sich durch seine chemischen Eigenschaften (Mineralbestandteile und Gase) aus, denen seit Jahrhunderten eine heilende Wirkung zugeschrieben wird. Zudem sticht das Badener Thermalwasser durch seine physikalischen Eigenschaften hervor: Baden zählt neben Leukerbad (VS) und Lavey-les-Bains (VD) zu den einzigen Thermalbädern der Schweiz, deren Quelltemperatur über 40°C (nämlich 47°C) beträgt. Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dass einer so reichen und heilkräftigen Naturerscheinung grösste Sorgfalt entgegengebracht wird und damit der Qualität des Thermalwassers oberste Priorität zukommt.

 

Das Verhältnis Quellenleistung Bassingrösse spielt in einem doppelten Sinn eine Rolle für die Qualität des Thermalwassers: Sind die Bassinflächen im Verhältnis zur Quellenleistung zu gross, muss erstens länger im selben Wasser gebadet werden, und zweitens reicht die natürliche Eigenwärme des Thermalwassers nicht mehr aus, um die Wassertemperatur aufrecht zu erhalten, was sich bei Aussenbecken noch akzentuiert.


Gemäss zukünftigem Badbetreiber sei für die geplanten Bassingrössen ausreichend Thermalwasser vorhanden. Mit einer Überschlagsrechnung zeigt sich aber schnell, dass mit der vorhandenen Quellenleistung das Wasser nicht mehr täglich gewechselt werden kann: Die Verenahof AG verfügt über ca.1/3 der Gesamtquellenleistung von 1'000'000 Litern (siehe Stand Studienauftrag 2009), d.h. über rund 300'000 Liter oder 300 m3 Wasser pro Tag. Die geplante Bassinfläche beträgt rund 1000 m2. Bei einer angenommenen Wassertiefe von 1m (vermutlich tiefer) ergäbe dies 1000 m3 Beckenvolumen. Mit verfügbaren 300 m3 Wasser pro Tag bräuchte es also über drei Tage bis alle Becken gefüllt wären. Die geplanten Becken kommen also nicht alleine mit Frischwasser aus, sondern müssen zusätzlich chemisch und physikalisch (Wärme) aufbereitet werden. Eine intensive Aufbereitung benötigt aber zusätzlich Energie und verändert die chemischen Eigenschaften des natürlichen Thermalwassers, z.B. verflüchtigen sich die Gase und ein Teil der Mineralien lagert sich ab.

 

Das projektierte Bad setzt nicht die vorhandene heilende Qualität des Thermalwassers in den Mittelpunkt, sondern knüpft an bestehende Wellness- und Spa-Angebote an, wie sie bereits mehrfach existieren.

 

IG schöner baden

 

14.01.2011

 

 

 


 

 

 

 



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